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Krisenfeste Branche: Trotz Rezession expandiert die Windenergie weltweit Print E-mail
Published by junge Welt   
Monday, 08 February 2010

Wolfgang Pomrehn

China auf dem Weg zur Marktführerschaft

Während traditionelle Industriezweige wie die Automobilhersteller weiter vor sich hinkriseln, präsentiert die Windbranche glänzende Bilanzen. Selbst aus den USA, wo Branchenkenner noch vor einem Jahr einen Einbruch wegen ausbleibenden Kapitals befürchtet hatten, kommen rosige Meldungen. Und hierzulande, wo der Markt für Neuanlagen bereits seit einigen Jahren gewisse Sättigungstendenzen zeigt, ist 2009 die neu installierte Leistung deutlich gestiegen und lag mit knapp 2000 Megawatt (MW) so hoch wie seit 2006 nicht mehr.

Allerdings ist Deutschland, mit Dänemark und Spanien bisher einer der wichtigen Pioniere, auf dem Weltmarkt fast zum Nebenschauplatz degradiert worden. Hiesige Unternehmen produzieren inzwischen einen erheblichen Teil ihrer Anlagen für den Export. Weltweit wurden im vergangenen Jahr Anlagen mit einer Leistung von rund 37500 MW errichtet. Das war gegenüber dem Vorjahr eine beachtliche Zunahme von 42 Prozent. 2007 und 2008 hatte der Umfang der neuen Kapazitäten jeweils rund 30 Prozent betragen. Trotz Krise und ohnehin bereits hohem Tempos hat sich das Wachstum der Branche also sogar noch weiter beschleunigt.

Die Nische wird verlassen

Image
Die Anlage in Roscoe (Texas) ist mit einer Leistung  von 781 Megawatt der größte  Windpark der Welt  (© Greenpeace)
Entsprechend standen Ende 2009 rund um den Globus Windenergieanlagen mit einer Leistung von 157899 MW. Damit lassen sich pro Jahr nach Einschätzung des Global Wind Energy Councils, der diese Zahlen vergangene Woche in Brüssel vorstellte, etwa 350 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie ins Netz einspeisen, was knapp zwei Prozent des globalen Bedarfs entspricht. Der Anteil der Windenergie an der Stromversorgung ist also im internationalen Maßstab noch klein, aber die ober erwähnten Wachstumsraten weisen daraufhin, daß sich das schon in wenigen Jahren ändern wird.

Besonders weit vorangeschritten ist diese Entwicklung bereits in Europa. In Dänemark hat die Windenergie schon seit längerem einen Anteil von rund 20 Prozent an der Versorgung, in Spanien und Portugal sind es jeweils etwa 15 Prozent. Nach Angaben der Europäischen Windenergieassoziation sind im vergangenen Jahr in den 27 Mitgliedsländern der EU mehr Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet worden, als neue hinzu kamen. Von den neu errichteten Kapazitäten entfielen 39 Prozent auf die Windenergie, so viele wie auf keinen anderen Sektor.

Wenn in Europa noch Kraftwerke für fossile Energieträger gebaut werden, dann sind es meist Gaskraftwerke. Rund ein Viertel aller neuen Kapazitäten geht auf ihr Konto. Gaskraftwerke haben gegenüber den bisher in Europa deutlich häufigeren Kohlekraftwerken den Vorteil, daß sie zum einen nicht so viele Treibhausgase und andere Schadstoffe pro Einheit produzierten Stroms ausstoßen. Zum anderen sind sie wesentlich flexibler einzusetzen und können daher besser das schwankende Angebot von Wind- und Solarenergie ausgleichen. Dennoch fällt Deutschland aus dem EU-weiten Trend zu mehr Gaskraftwerken heraus: Hierzulande setzen die großen Energiekonzerne nach wie vor auf Kohle: Zehn Kohlekraftwerke sind im Bau, vierzehn weitere befinden sich in Planung. Dreizehn Vorhaben wurden in den letzten Jahren zurückgezogen, zuletzt ein geplanter Block in Stade an der Unterelbe. Den Ausschlag dafür gaben sowohl Zweifel an der Rentabilität als auch hartnäckigen Proteste der örtlichen Bevölkerung.

Angst vor China

Zwar ist die Windenergie in einigen Dutzend Staaten auf dem Vormarsch, aber das Gros des Zuwachses, rund 90 Prozent, entfiel auch 2009 auf lediglich zehn Staaten. Spitzenreiter war China mit rund 13000 MW, gefolgt von den USA mit knapp 10000. Dort freut sich der Interessenverband der Branche, die American Wind Energy Association zwar, daß der Ausbau dank des Konjunkturprogramms nicht wie ursprünglich erwartet zurückgegangen ist. Die US-Hersteller scheinen aber nicht alle ausreichend vom Boom profitieren zu können. Einige Arbeitsplätze seien in den letzten Monaten verlorengegangen, wurde berichtet.

Ob das an mangelnder staatlicher Unterstützung liegt, an einem schwankenden Markt oder aber an wachsender chinesischer Konkurrenz ist unklar. Jenseits des Atlantiks werden jedenfalls derzeit die ersten Klagen laut, das Land könnte auf dem Markt für erneuerbare Energieträger hinter China zurückfallen. Die Volksrepublik hat sich bereits in der Herstellung von Solarzellen eine Spitzenposition erobert und ist auf dem besten Wege, diese auch bei der Herstellung von Windrädern zu erreichen. Im US-Bundesstaat Texas soll demnächst mit dem Bau eines der weltweit größten Windparks begonnen werden. Ein Teil des Kapitals wie auch der zu errichtenden Anlagen wird aus der Volksrepublik kommen.

Noch geht allerdings der größte Teil der chinesischen Produktion, manches davon mit deutscher Lizenz hergestellt oder darauf aufbauend, in den heimischen Ausbau. Der Zuwachs hat sich in mehreren Jahren in Folge jeweils verdoppelt. Nach offiziellem Plan sollen bis 2020 Windräder mit einer Leistung von 100000 MW installiert sein, bei derzeitigen Tempo werden es wohl eher 200000 MW werden. Damit könnte Windenergie in der Volksrepublik mindestens zehn Prozent des Strombedarfs abdecken und die Abhängigkeit von der klimaschädlichen Kohle etwas vermindern.
 
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