Die Routiniertesten setzten sich durch Um 21 Uhr ging’s los; um 1 Uhr 30 war’s vorbei; dazwischen lagen viereinhalb Stunden geballte Action und modern lifestyle: sechs luxemburgische und eine deutsche Metalband, viel Bier, einige Zigaretten, sehr viel Spannung und, zum Teil, saugute und, dem Genre gemäß, laute, treibende Musik! Die neuerliche Auflage der hiesigen Metal-Battle, dieses Jahr in der Escher Kulturfabrik angesetzt, konnte wieder mal, dank guter Organisation, vollends überzeugen.
 all photos by Martine de Lagardère Eigentlich fing der Abend schon früher an: ab 19 Uhr öffneten sich die Pforten; und kurz danach konnte, wer wollte, sich einige Filme über die vergangenen Battles auf einer eigens dafür installierten Videoleinwand reinziehen. Viele werden sich aber, so wie wir selbst, gedacht haben: „Das wird eh’ schon ein langer, knochenharter Abend: gehen wir doch etwas später hin!“ So erschienen die meisten Zuschauer – es werden wohl so um die 500! gewesen sein – erst kurz vor Beginn des eigentlichen Contests… „Miles to Perdition“: Die Last des Loses…Und da ging’s denn auch mit „Miles to Perdition“ sofort voll ab! Ihr Death-Metal-Core-Stil, der sich aus schnellem, aggressivem Metalcore mit manchmal schrill klingenden Gitarrenriffs zusammensetzt, konnte, trotz vieler Breaks und ihren langen, fast überladen wirkenden Songs sowie der überzeugenden Stimme ihres Frontshouters, das noch recht spärliche Publikum – tja, es ist oft von Nachteil, bei solchen Events als Erste ran zu müssen!; aber das Los hatte nun einmal so entschieden – nicht wirklich mitreißen. Vielleicht lag es an der fehlenden Atmosphäre, oder daran, dass wir selbst noch nicht mitten im Geschehen angekommen waren, dass sie uns zwar bühnensicher und technisch sauber, ansonsten insgesamt aber eher zurückhaltend anmuteten. Trotzdem lag die Messlatte nach ihrem Auftritt bereits ziemlich hoch, denn schlecht waren sie mit Sicherheit nicht: würden die andern diese Hürde nehmen können? „Rude Revelation“: Stimmungsvoller Publikumsliebling! Als nächste Gruppe durfte die Überraschungsband des letzten Metal Battle, „Rude Revelation“, die Szene in Angriff nehmen. Und das taten sie, nach anfänglichen Unsicherheiten aufgrund einer verständlichen, geradezu spürbaren Nervosität, mit Nachdruck, Spielwitz, schönen, abwechslungsreichen und wirklich originellen Kompositionen. Und die in der Metalszene bereits best bekannte, sehr beliebte und energiegeladene Sängerin, die nicht nur visuell sondern auch vokal so einiges zu bieten hat – mal raubtiergleich fauchend, dann clean und, wenngleich nicht immer und überall, zart und intonationssicher ihre rhythmisch wie melodisch anspruchsvollen Thrash-Death-Metal-Balladen ins allseits begeisterte Publikum hauchend – spornte die Zuschauer zu gleich zwei aufeinander folgenden Walls of Death an. Es war mit Sicherheit einer der stimmungsgeladensten Auftritte des Abends. Aber würde dies allein zum Sieg reichen?
„The Burden“: Auf ein Neues… Als nächste Formation folgte „The Burden“ die in letzter Minute für die, wie man ja jetzt weiß, sich demnächst leider auflösende Gruppe „Fast Friday“ eingesprungen war. Ihr moderner Thrash mit einigen melodischen Riffs sowie Death-Metal-Ansätzen ist für unseren Geschmack noch zu wenig ausgereift: das manchmal etwas konfus wirkende Grundmaterial wird lautstark schreiend und brüllend vom fast Furcht einflößenden Frontshouter untermauert, ließ das Publikum letztendlich doch ziemlich kalt, und man konnte sich getrost das nächste Bier schnappen, vor der Tür eine Zigarette schmauchen und den nötigen Bühnenwechsel abwarten: dieses Jahr war „The Burden“ sicher noch nicht so weit! „Scarred“: Routiniert und ausgebufft Aber dann: die mit Spannung erwarteten, im Vorfeld in der Szene schon als sichere Sieger gehypten Jungs von „Scarred“, schickten sich an, ihren Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Und, man muss es neidlos anerkennen: das taten sie! Ihr progressiver, mauerharter, tonnenschwerer Thrashmetal pustete die Gehörgänge leer: ihre Kompositionen – einfach aber effizient; ihre Gitarrenarbeit – teils im Akkord, teils mit sauberen Solis versehen; die engagierte, omnipräsente Stimme des Leadsängers; und nicht zuletzt der technisch versierte Drumbackground: alles klappte, kam fett rüber, wurde szenensicher und bestimmt umgesetzt, und konnte auch die Zuschauer wieder einigermaßen aufrütteln. Hatte man nun den Gewinner gehört? „Stepback“: Hard work to do… Was dann folgte, wollen wir besser stillschweigend übergehen, denn bei Stepback ging so gut wie nichts zusammen: weder das konfuse Songwriting, noch die Stimme des Sängers; weder die Bühnenpräsenz noch das Zusammenspiel wurden dem alles in allem bisher doch hohen Niveau der vorherigen Bands gerecht. Da liegt noch viel Arbeit vor euch, Jungs! „Ensis“: Komplexe Strukturen Zu guter letzt trat dann “Ensis” auf den Plan. Ihr interessant strukturierter Death-Thrash-Metal lebt von den coolen Gitarrenparts, der reinrassigen Stimme des Sängers, der tadellosen Bühnenpräsenz sowie von dem komplexen Gesamtaufbau. Und es waren mit Sicherheit nicht nur die fortgeschrittene Uhrzeit und der damit verbundene, leicht angestiegene Alkoholpegel, der sie uns als ebenfalls mögliche Podiumsvertreter erschienen ließ: das war einfach gut, abgeklärt und sauber! Aber war das genug? „Drone“: Kurzweilig und cool Ehe man dem Laureaten des diesjährigen Metal-Battle gratulieren durfte, gaben die deutschen Wacken-Gewinner von 2006, „Drone“, noch ein kurzweiliges weil hervorragend inszeniertes und vorgetragenes Stelldichein. In einem kurzen Interview, das wir mit ihnen in einer der Umbaupausen führen konnten, erschienen sie uns nicht nur selbstsicher und symphatisch, sondern auch professionell und aufgeschlossen. Wacken habe ihre Karriere natürlich nachhaltig beeinflusst; und obwohl sie noch nicht ganz von ihrer Musik lebten, sei dies doch das in naher Zukunft mit aller Macht angestrebte Ziel. Dass sie dies verwirklichen könnten, bewies ihr geiler, wenngleich von nicht mehr allen Zuschauern verfolgter, souveräner Auftritt. „And the winner is:…“  Tja, und dann war es soweit: Jeannot Hutchinson schritt zur Verkündigung des Gewinners. Und, was glauben sie wer es war? Ja, die Routine, die kohärenteste und kompakteste Vorstellung des Abends gab den Ausschlag: „Scarred“ waren es, die sich den dicken Fisch – immerhin die Finanzierung von 1000 eigenen CD’s sowie die Teilnahme am diesjährigen Wacken-Festival - schnappen sollten. Das Publikum war zum größten Teil mit diesem Resultat einverstanden, auch wenn man einige langen Gesichter seitens der „Rude Revelation“-Anhänger sah, die mit lautstarker Fangemeinschaft sowie mit einigen RR-Schriftzügen angereist waren. Aber die Nominierung geht wohl in Ordnung, und „Scarred“ werden Luxemburg bestimmt gut vertreten…! Nützliche Internet-Seiten: related articles: |